Clubgeschichte

Stolpersteine

Stolpersteine


Idee des Projekts

Mit dem Projekt „Club-Stolpersteine“ erinnert der 1. FC Nürnberg in Kooperation mit dem Verein „Geschichte für alle e.V.“ an die 142 zum 30. April 1933 ausgeschlossenen jüdischen Vereinsmitglieder. Der 1. FC Nürnberg war einer der ersten Sportvereine in Deutschland, der seine jüdischen Mitglieder von der Mitgliederliste strich – nur weil sie Juden waren. Für viele Betroffene war es die erste am eigenen Leib verspürte antisemitische Ausgrenzung in der NS-Zeit.


Teil des größten dezentralen Kunstwerks 

Seit 1996 verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig sogenannte Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Er will damit den Opfern der Nationalsozialisten „ihren Namen, ihr Gesicht und einen Platz in der Mitte der Gesellschaft wieder zurückgeben“.

Die 96 x 96 Millimeter kleinen Steine sind an der Oberseite aus Messing und glänzen wie Gold. Sie tragen den Namen und das Geburtsjahr des Verfolgten und künden in wenigen Worten, wann und wohin er/sie geflüchtet ist bzw. ermordet wurde. Mit 110.000 Stolpersteinen in 1.900 Kommunen in 31 Staaten ist es inzwischen das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

 

Einen Namen, ein Gesicht und eine Geschichte für die jüdischen Mitglieder

Ausgangspunkt für das Projekt „Club-Stolpersteine“ sind die 142 von Club-Historiker Bernd Siegler recherchierten und als Buch unter dem Titel „Heulen mit den Wölfen“ erschienenen Biografien der im April 1933 ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder. Deren Namen wurden erst Ende 2020 durch den sensationellen Fund der als verschollen geglaubten Mitgliederkartei zur Zeit des Nationalsozialismus bekannt. Mit den recherchierten Biografien erhielten die 142 wieder eine Geschichte und ein Gesicht.

 

Schülerprojekt als Initialzündung

Die Initialzündung zur Verlegung von Club-Stolpersteinen gab 2022 das Sonderpädagogische Förderzentrum Jean-Paul-Platz. Im Rahmen des Jenö Konrad-Cups erwirkten sie zwei Stolpersteine – einen am Wohnhaus in der Bingstraße und einen vor dem Max-Morlock-Stadion - für den jüdischen Club-Trainer Jenö Konrad. Der verließ nach antisemitischer Hetze gegen seine Person im NS-Blatt „Der Stürmer“ Nürnberg schon im August 1932.

Gesellschaftlicher Hintergrund

Antisemitische Vorfälle in Deutschland nehmen kontinuierlich zu, jüdische Gemeinden fühlen sich mehr und mehr bedroht. Die hier lebenden Jüdinnen und Juden sitzen noch nicht auf gepackten Koffern, wissen aber genau, wo ihre Koffer stehen.

Immer unverfrorener werden in Deutschland und anderswo antijüdische Ressentiments geäußert. Doch es bleibt nicht bei verbalen Beschimpfungen: Jüdische Friedhöfe werden zerstört, Synagogen werden beschädigt, Juden, die eine Kippa tragen, werden verfolgt und körperlich attackiert.

 

Aktives in die Zukunft gerichtetes Gedenken

Mit dem Projekt „Club-Stolpersteine“ thematisiert der 1. FCN Jahr für Jahr nicht nur die Rolle der jüdischen Mitglieder als Sportler, Funktionäre und Mäzene beim Aufstieg des 1. FC Nürnberg zum führenden Fußballverein in den 1920er Jahren, sondern auch den im vorauseilendem Gehorsam vollzogenen Ausschluss der Juden aus dem Verein.

Dem antisemitischen Narrativ des „körperlich missratenen und daher für den Sport ungeeigneten Juden“ setzt der Club deren Biografie und sportliche Aktivitäten entgegen. Mit der symbolischen Rehabilitierung der ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder lebt der Club seinen Grundsatz „Offen sein, offen bleiben.“ Im Leitbild heißt es: „In der Club-Familie sind alle willkommen, die selbst niemanden ausgrenzen.“

Soziale Verantwortung

Mit dem Projekt „Club-Stolpersteine“ stellt sich der 1. FCN seiner gesellschaftlichen Verantwortung für Stadt und Region. Der Club will die Kraft des Sports nutzen, um dem zunehmenden Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft entgegenzuwirken. Das Projekt sensibilisiert Teilnehmer:innen für die Geschichte ihrer Stadt und ermutigt, Antisemitismus im Alltag aktiv zu begegnen.

Das Projekt „Club-Stolpersteine“ ist auf der sozialen, digitalen Plattform des 1. FC Nürnberg, www.UnserClub.de, eingebettet. Mit dieser Plattform bündelt der 1. FCN seine Bewegungs-, Bildungs-, Ehrenamts- und Ökologie-Projekte. Neben dem Stolperstein-Projekt finden sich dort der Jenö Konrad-Cup und  weitere Projekte gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus, wie zum Beispiel die Club(ver)führungen über das Reichsparteitagsgelände, „Der Club im Nationalsozialismus“ oder Bildungsfahrten zu den Konzentrationslagern in Flossenbürg und Dachau.

Seit 2022 gedenkt der 1. FC Nürnberg jedes Jahr am 30. April mit Stolpersteinen für die ausgeschlossenen jüdisches Mitglieder:

  • 2023 Hedwig Neuburger, die Witwe des ehemaligen Club-Präsidenten, und ihre Kinder Hilde und Kurt
  • 2024 Ludwig und Dina Schloss und ihre Töchter Gerda (Chaya Arbel), Ruth und Käthe (Malka)
  • 2025 Anna Margarete und Bruno Einstein
  • 2026 Marie (geb. Friedlein) und Karl Marcus

Bildungsangebote - Orte des Erinnerns Nürnberg